EINE STÜTZMAUER AUF DER NORDSEITE
Über vier Jahre hinweg hatten wir uns intensiv mit unserem Garten beschäftigt- und für alle Bereiche hatten wir mit der Zeit passende Gestaltungsideen gefunden
Nach und nach, Stück für Stück wurde alles ‘rund’ und zueinander passend - nur vor der Nordseite, wie sie sich bis zum Frühjahr 2002 darstellte, hatten wir zunächst kapituliert. Das Problem bestand darin, dass
unser Grundstück, an einem sanft geneigten Nordhang gelegen, von Natur aus schon leicht nach Norden abfiel. Verstärkend wirkte noch dazu, dass die im Norden angrenzenden Nachbarn auf der Fläche unseres Grundstücks,
entlang der gemeinsamen Grenze, einen Streifen von etwa einem Meter Breite um ungefähr 60 cm abgraben liessen, damit sie beim Einebnen ihres Grundstücks keine - teure - Stützmauer zu unserem höher gelegenen Bauplatz
errichten lassen mussten. Natürlich geschah dies einige Zeit, bevor wir unser Grundstück gekauft haben, und leider haben wir aus falsch verstandener “guter Nachbarschaft” nicht sofort reagiert und die
Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes verlangt.
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Außerdem haben wir uns beim Bau unseres Hauses bei der Festlegung der Erdgeschoss-Fußbodenhöhe am südlich gelegenen Gelände orientiert, um dort einen angenehmen
Übergang von Wohnen zur Terrasse und Garten zu erhalten. Dadurch hat sich das Haus auf der Nordseite circa einen halben Meter über das natürliche Niveau hinaus gehoben. Da sich unser etwa eineinhalb Meter
breiter Eingangsweg auf der Nordseite aus praktischen Überlegungen ebenfalls an der Erdgeschoss-Fußbodenhöhe orientierte, fiel das verbleibende Gelände bis zur Nordgrenze auf den etwa zwei Metern Breite um einen
guten Meter ab. Dieser Streifen Grün war infolgedessen so steil, dass die von uns dort angelegten Pflanzungen überhaupt nicht zur Geltung kommen konnten.
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Um diesen unbefriedigenden Zustand zu beenden, kam mein Mann auf die Idee, entlang der Grenze eine Mauer aufzurichten und anschließend das Gelände eben
aufzufüllen. Im Frühsommer 2002 wagten wir uns an diese Grossaktion und gruben zunächst entlang der Garage der Nachbarn bis zu ihrem Fundament die Erde weg und schützten die Garagenwand mit einem ganz ordentlich und
vorschriftsmäßig angebrachtem Isolieranstrich bis zur vorgesehenen Höhe der Aufschüttung. Bevor wir mit dem Auffüllen begannen, bedeckten wir den Schutzanstrich noch mit einer Lage Dachpappe, um ihn vor
Beschädigungen zu schützen. (Siehe Bild links).
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In der Verlängerung der Garage gruben wir (naja, ich geb’s zu - zu 98,5 % gub der Herr des Hauses...) dann entlang der Grenze einen Fundamentgraben.
(Bild rechts)
In einer Gewaltaktion an einem der “Brückentage” im Juni 2002 verbauten wir dann darin zunächst 1,4 to Schotter.
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Und gleich am selben Nachmittag ging es weiter mit circa 1,1 to Beton für das Fundament, in das wir dann gleich die erste Reihe Steine setzten.
Leider kann man in solchen Situationen keine “magischen Kräfte” wirken lassen und den Beton im Abbinden bremsen - wenn er einmal da liegt, dann muss man ohne Pause
schaffen, bis alle Steine verbaut und aller Beton verfüllt ist...
Nach einer Pause von einigen Tagen (um die wunden Hände heilen zu lassen) verfüllten wir dann die erste Lage Steine und den Zwischenraum zum Hang mit dem seitlich
gelagerten Aushub. (Bild links)
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Danach war wieder eine angemessene Frist angesagt, um sich von den vorangegangenen Strapazen zu erholen - und natürlich tagtäglich den verbliebenen Haufen
Betonsteine in der Einfahrt zu bewundern. (Bild rechts)
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Nach und nach setzte der fleissige Hausherr dann die übrigen Steine zu einer Mauer bis zur fertigen Höhe von circa 80 cm über dem Grenzniveau auf. (Bild links)
Zunächst verfüllten wir mit dem restlichen, seitlich gelagerten Aushub. Dann ging es darum, weiteren “Dreck” zum Auffüllen zu beschaffen. Leider lag die
Neubautätigkeit in unserem Ort zu dieser Zeit ziemlich am Boden, aber nach einigem Suchen, -zig Telefonaten mit Fuhr- und Bauunternehmern, war schließlich ein Besuch bei einem Wohnungsbauunternehmen erfolgreich...
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... und wir bekamen einen ganzen Dreiachser voll dunkler Walderde geliefert. Dank der aussergewöhnlichen Fahrkünste des einen und der haarscharfen Navigation
des anderen Fahrers blieb beim Abkippen die Straßenlampe heil... Das Bild rechts zeigt nur noch circa 75 % der ursprünglichen Menge...
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Alle Nachbarn waren wohl felsenfest davon überzeugt, dass wohl mindestens sechs Wochen vergehen würden, bis dieser gigantische Erdhaufen verschafft wäre - doch
dank des unermüdlichen Einsatzes seiner kleinen Helfer (siehe Bild links) und natürlich weil er sich jeden Abend nach der Arbeit für gut zwei Stunden ranhielt, war der “Berg” nach exakt einer Woche vom fleissigen
Hausherren besiegt...
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Auf dem neugeschaffen, planebenen Gelände wurden als nächstes nun die Pfostenträger für die Sichtschutzwand einbetoniert, (rechtes Bild)
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und auch gleich eine wunderschöne und unglaublich bequeme Teakbank (linkes Bild) günstig erstanden, sowie die ersten Sichtschutzelemente aufgestellt.
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Hier zwei Bilder zur Illustration des Vorgartens im ‘Rohzustand’
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Bild links - Blick von der Bank auf den Treppenvorplatz
Bild rechts - Blick von der Bank durch den Eingangs- rosenbogen
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Im Laufe des Sommers 2002 bespannten wir nach und nach insgesamt fünf Rankelemente mit dem grünen Verschattungsgewebe und montierten sie zu einer hübschen,
‘englischgrünen’ Sichtschutzwand.
Wir dachten uns diese Alternative aus, da wir einerseits die herkömmlichen, massiven Holzsichtschutzelemente nicht gerade prickelnd anzuschauen fanden, aber auch
deshalb, weil wir den Garten des Nachbarn nicht unnötig verschatten wollten. Das verwendete Schattierungsgewebe lässt nämlich circa 70 % des Sonnenlichts durch - bietet aber dennoch einen sehr guten Sichtschutz.
Sobald die zunächst fünf Sichtschutzelemente angebracht waren, begann ich Stück für Stück, den Gartenraum wieder herzustellen. Neben dem Eingangsrosenbogen wurde
die gelbe ‘Willkommensrabatte’ mit neuen Stauden mit Blütenfarben in Brauntönen ergänzt und mit einer Reihe (ebenfalls bräunlichroter) Bergenien zum anschliessenden ‘Brunnenplatz’ abgetrennt.
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Für diesen ‘Brunnenplatz’ haben wir das Erdreich zunächst mit Gartenvlies von duPont (Gartenbedarf Richard Ward) abgedeckt und dann mit einer gleichmässigen Schicht feinen Rindendekors belegt. Vis-à-vis von der neuen
Teakbank vor der Garagenwand des Nachbarn stellten wir einen (künstlichen) Sandsteinbrunnentrog mit einem Wasserspeier in Form eines märchenhaft verwunschenen Fauns auf. Der beruhigend plätschernde Brunnen vereint
drei Wirkungen in sich - er ist ein entzückender Blickfang im Vorgarten, er erfrischt die trockene Sommerluft angenehm und nicht zuletzt verschwindet hinter seinem Plätschern (fast) jegliches, störendes
Umgebungsgeräusch..
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Ungefähr parallel zum Treppenvorplatz legte ich dann den lang ersehnten ‘Schattengarten’ an, in dem ich die in Kübeln und Trögen über die Bauzeit geretteten
Hortensien, Gräser, Fetthennen, Vogelfussseggen, Minzen und den im Mein Schöner Garten Forum ertauschten Storchschnabel anpflanzte.
Ausserdem bekam der beste aller Ehemänner - als Dankeschön weil er ja mit seiner Schufterei diesen neuen Gartenbereich überhaupt erst ermöglichte - einen
ganz entzückenden weissblühenden Rhododendronhochstamm (seine Lieblingspflanze...) mit passender Unterpflanzung...
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Trittsteine ermöglichen die bequeme Pflege des neu angelegten Gartenbereichs nach typisch englischer Manier, und die Dekorationsobjekte sollen den märchenhaft
verwunschenen Charakter, der schon vom wasserspeienden Faun am Brunnenplatz angedeutet wird, weiterentwickeln. Als Zitat für den Waldcharakter des Schattengartens dienen die dachartig überhängenden Zweige des
Schwarzen Holunders, die ich zur Sichtschutzwand hinübergeleitet und dort fixiert habe.
Inspiriert von einem Foto im Heft 2/2003 von Mein Schöner Garten experimentierte ich dann mit einem Zäunchen, um das Thema des ‘Gartens im Garten’ mehr
herauszustreichen.
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Anhand dieser beiden ‘vorher-nacher’ Bilder kann man sehr gut die optische Wirkung des eigentlich völlig zweckfreien Zauns erkennen. War der ‘Schattengarten’
vorher bereits vom Standort am Gartentor in seiner Gesamtheit zu überblicken, so verdecken jetzt die Staketen des Holzzauns einen Grossteil der Pflanzung. Dadurch kommt einerseits der Faun erheblich besser zur
Geltung, andererseits erfährt der ‘Brunnenplatz’ dadurch einen deutlichen räumlichen Abschluss, der ihn mehr in sich ruhen lässt. Als Nebeneffekt wird die Spannung in diesem Gartenbereich deutlich gesteigert, da man
ja nicht auf Anhieb erkennen kann, was sich hinter dem Zäunchen verbirgt.
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Was mich jedoch am meisten erstaunt, ist die Tatsache, dass das Aufstellen des Zauns nicht nur den vorher unangenehm schlauchartigen Vorgarten untergliederte,
sondern dass auch durch diese Untergliederung die einzelnen Gartenräume an Grösse gewinnen zu scheinen. Ehrlich gesagt hatte ich befürchtet, dass durch den Zaun der Schattengarten in seinen Ausmassen optisch
schrumpfen würde, doch das Gegenteil ist der Fall. Ausserdem scheint durch diese rhythmische Unterbrechung der Sichtachse der Hintergrund mit der Schaukel weiter weg zu liegen. Zwar hat man nun ‘nur’ den Eindruck,
die Schaukel würde sich z.B. eineinhalb bis zwei Meter weiter hinten befinden - da es sich bei unserem Grundstück jedoch prinzipiell um eher kleinere Massstäbe handelt, wirkt sich diese ‘optische Täuschung’ jedoch
deutlich spürbar aus.
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Im weiteren Verlauf hinter dem ‘Schattengarten’ folgte dann der lang ersehnte Schaukelplatz für die Kinder, den wir in gleicher Weise wie den Brunnenplatz mit
Vlies und feinem Rindenmulch angelegt haben.
Der mittlerweile recht windschiefe Schuppen, der mit seinem ‘Baumarktcharme’ auch überhaupt nicht mehr zu unserem Gartenstil passte, sollte als nächstes Projekt
abgerissen und durch einen zweckmässigeres (mehr Platz für zwei- und Vierräder...), passenderes (ganz perfekt im Schwedenstil...) und standfesteres (mit Betonbodenplatte und in Ständerbauweise..)
Liebhaberobjekt ersetzt werden. Dazu bitte hier weiterlesen...
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